Reise ins 18. Jahrhundert Kurier 2007.03.11 VON BRIGITTE KIRCHGATTERER
Opernspiel wie zu Mozarts Zeiten
Wie wurde damals aufgeführt, wie die Noten gelesen, wie beleuchtet?
Ein Institut beschäftigt sich rein mit Mozarts Opern.
Salzburg ist und bleibt einfach die Mozartstadt. An allen
Ecken und Enden stolpert man unweigerlich über Spuren des Musikgenies. Und
nichts ist daher nahe liegender als ein eigenes Uni-Institut zu gründen, das
sich nur mit Mozarts Opern, deren Aufführungspraxis und der Zeit, in der sie
entstanden sind beschäftigt.
Vor genau einem Jahr wurde das MOI, das Mozart Opern
Institut gegründet. Leiter davon ist Mozart-Fan Josef Wallnig, der zugibt „für
Mozart zu brennen”. Wallnig versucht seinen Studenten einen Blick auf die
Wurzeln Mozarts anzubieten. „Das bedeutet nicht, dass ich den Standpunkt
vertrete, dass die Stücke museal umgesetzt werden. Wenn bei 'Così fan tutte' von
Peter Sellars die Füße auf den Cafehaustisch gelegt werden ist das auch okay. Aber
dieser Blick zurück schafft Verständnis bevor man etwas Modernes daraus macht”,
erklärt Wallnig.
Der Unterricht und die Vorträge im Moi sind allesandere als
trockene Musikgeschichte. Wallnig lädt seine Studenten gerne zu sich ein. Hier
am Alten Markt, Nummer 5 wohnte Constanze Mozart 1820 für ein Jahr lang. Allein
das Haus mit seinem Untersbergmarmor, Bögen und Biedermeiermöbel entführt in
eine andere Zeit.
Den Studenten wird die Aufführungspraxis in Mozarts Zeit
vermittelt. Sie lernen, was es mit der „Verzierungstechnik” der damaligen
Sänger auf sich hatte. „Noten, die auf dem Papier standen wurden so nicht
gesungen. Die Komposition wurde von den Sängern interpretiert.”
Anders stand es um die szenische Aufführungspraxis. Hier gab
es eigentlich sehr starre Vorgaben für Mimik und Gestik bei Tod, Wut oder
Freude. „Es gibt Bewegungs- und Mimikpartituren. Vor allem die Hände drückten
Emotionen aus”, sagt Wallnig. Umgesetzt wurde das Erlernte eindrucksvoll bei
einer Aufführung von „Apollo und Hyacinthus” während der Salzburger Festspiele 2006.
Die Studenten besuchen aber auch originale
Aufführungsstätten in Krumau oder Gotha, wo sie sich ein Bild darüber machen, wie
zu Mozarts Zeiten die Beleuchtung mit Kerzen oder wie Windmaschinen
funktioniert haben.
Ziel der nächsten Zeit ist es ein hoch spezialisiertes
Mozart-Opern Orchester aufzustellen. Die Musiker sollen dabei einen eigenen
„Salzburger Mozart-Klang” entwickeln, der auf die Tradition des Barock aufbaut.
Mozart-Fan und Institutsleiter Josef Wallnig (o.): „Ich
brenne für Mozart.” 240 Jahre nach der Entstehung: Ausschnitt aus „Apollo und Hyacinthus” während der Salzburger
Festspiele 2006. Inszeniert wurde nach Bedingungen wie zu Mozarts Zeiten.
Komponieren Wenn
Würfel Walzer tanzen um Unterricht im Mozart Opern Institut gehört es aber auch
ein bisschen dem Freizeitverhalten oder auch den Kochrezepten aus Mozarts
Zeiten nachzugehen. Und zum Auflockern in den Pausen probieren die Studenten
dann auch gerne ein Spiel aus, bei dem mit Hilfe von zwei Würfeln Walzer
komponiert wird. „Es geht einfach auch darum, ein Lebensgefühl dieser Zeit zu
vermitteln”, so Wallnig.
Bei diesem musikalischen Würfelspiel wird mit Würfeln, einer
Tabelle und einem Notenblatt mit verschiedenen Takten ein Walzer oder ein
Menuett komponiert. Jeder Würfelkombination sind bestimmte Takte zugeordnet, die
nun je nach Wurf aneinander gereiht werden. So entsteht ein gleichförmig aufgebautes
Musikstück. Die Komposition gelingt faszinierenderweise immer.
Kinderinstrumente Beliebt ist auch die
„Pertelzkammersinfonie”, eine Art Kindersymphonie, von der man ausgeht, dass
sie um 1770 auch gerne von dem jungen Mozart gespielt wurde. Beim Musizieren
werden hier Kinderinstrumente wie das Trompeterl, Ratschen, Windpfeiferl und
Kuckuck-Pfeiferl verwendet. Das Ergebnis kann sich hören lassen. |