Die Krone 2006.08.28
Salzburger Festspiele, Alte Aula: „Apollo” und „Schuldigkeit”
Barock-Pantomime & Bauern-Spaß

Das waren Wolfgang Amadeus Mozarts Anfänge, sein Einstieg ins Operngeschäft: John Dew inszenierte für „Mozart 22” bei den Salzburger Festspielen „Apollo und Hyacinthus” und die „Schuldigkeit des Ersten Gebots” in der Alten Universitätsaula, und bescherte höchst unterhaltsame dreieinhalb Stunden. Ein Riesenspaß!
VON KARLHEINZ ROSCHITZ
Zum Unterschied zu Nikolaus Harnoncourt, der das geistliche Singspiel „Die Schuldigkeit des Ersten Gebots” mit Tiefsinn und Bedeutungsschwere im Theater an der Wien füllte, bittet John Dew mit Augenzwinkern auf eine barocke Bauernbühne.
Ganz so ernst, wie der 11-jährige Komponist sich mit der Läuterung eines Christenmenschen auseinandersetzt, sieht Dew dieses Teilstück eines Triptychons nicht: Ihm und seinen Ausstattern Heinz Balkes und José-Manuel Vasquez liegt da die religiöse Erbauung mit dem Holzhammer, mit Hauruck-Klamauk und Salzburger Straßentheaterspaß näher: Die Gerechtigkeit ist ein Gottvater mit Rauschebart, der Christgeist ein Strahleengel, der Weltgeist ein fetter Teufel im Jagdkostüm. Knallrote Teuferln klettern durch die Sitzreihen. Und der „faule Christenknecht” schnarcht in seinem karierten Bauernbett. . . Wen wundert's, dass die Fastenzeit-Aktion immer wieder von Applaus und Gelächter unterbrochen wurde.
Als barockes Fürstenhofspektakel „rekonstruierte” Dew hingegen das lateinische Intermedium „Apollo und Hyacinthus”, das in der Aula übrigens 1767 uraufgeführt wurde. Ein prunkvoller barocker Bühnenrahmen umschließt ein kunstvolles Bühnenbild: Ein antikes Arkadien, in dem die Tragödie des Prinzen Hyacinthus – er wurde durch einen Diskuswurf des Gottes Apollo getötet – sich ereignet. Gespielt wird in barocken Staatsroben, die Figuren bewegen sich wie in einer Pantomime.
Hervorragendes gelingt Josef Wallnig am Pult des Sinfonieorchesters der Universität Mozarteum und der jugendlichen Sängerschar, die diesen Figuren in höchst komplizierten Arien Leben einhauchen: Eine Wiedergabe in einem Guss, temperamentvoll musiziert und gesungen, reich an musikalischen Pointen. Aus dem Ensemble ragen Jekaterina Tretjakova als Hyacinthos, Anja Schlosser als Apollo sowie Bernhard Berchtold als Christgeist, Christiane Karg als Weltgeist und Peter Sonn als Christ (nächste Aufführungen dieser Rarität: heute, 27., und 28. August).
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