Kleine Zeitung Sonntag, 27.August2006

Götter sind auch nur Menschen

Hübsche, aber nicht unerlässliche Raritä­ten: Mit „Apollo et Hyacinthus” und „Die Schuldigkeit des Ersten Gebots” schlossen die Salzbur­ger Festspiele ihren Reigen der Mozart-Neuproduktionen.

MICHAEL TSCHIDA

Back to the roots!?, hieß es für "Apollo et Hyacinthus". Das lateinische Intermedium, 1767 in der Aula der Universität erstmals zu hören, erlebte eben-dort seine späte Erstaufführung bei den Festspielen. Vorweg: Mo­zarts allererste Bühnenmusik, da­mals als Beiwerk für ein Schul­drama vom erst Elfjährigen ge­schrieben, ist in keinem Spielplan wirklich abgegangen und wird auch weiterhin nicht abgehen.

 

Götter sind auch nur Men­schen: Da gibt es Misstrauen, Eifersucht, Intrige. Und natürlich Liebe. Das mythologische Spiel um Apollo, der an Heirat denkt und des Mordes an seinem Freund Hyacinthus bezichtigt wird, hat Regisseur John Dew be­wusst altmodisch in einen anti­ken Theatertempel (Heinz Bal­thes) gestellt, versäumt es aber, die Historisierung ironisch zu brechen.
Wie Spieldoserifiguren posie­ren die Protagonisten, was auf Dauer Gähnen macht, auch weil die Musik bis auf wenige Perlen über eine Talentprobe des Wun­derknaben nicht hinausgeht. Fas­zinierend hingegen die Kostüme (José-Manuel Vésquez), da kann sich die Festspiel-Präsidentin für ihre „Resmann Couture” was ab-schauen.

Fragment

  „Jeeeedermaaann!” tönt es in der Pause vom Domplatz her. Sehr passend. Regisseur Dew sieht nämlich in „Die Schuldigkeit des Ersten Gebots” einen „Rokoko-Jedermann” und inszeniert die-sen als Volksstück. „Zum Glück ist der Rest verloren gegangen”, wird eine Zuhörerin später seuf­zen, was ein bissl ungerecht ist. Denn das als dreiteiliges Orato­rium konzipierte Werk, von dem nur noch der Part Mozarts erhal­ten ist, nicht aber jene von Joseph Michael Haydn und Anton Caje­tan Adlgasser, hat auch als Frag­ment seine Reize.

 
  Slapstick

  Von Mozart ebenfalls 1767 kom­poniert, aber musikalisch schon weit beeindruckender, streiten sich darin Christgeist und Welt-geist um eine Seele, die sich zwi­schen Tugend und Laster ent­scheiden muss. Hier sind es ein Franziskanerpater und ein Deibl im Lodenanzug. Dew lässt für seinen Slapstick alles auffahren: Löwe und Löwingerbühne- Jäger, Maria im Dirndl und glutrote Teufel, die über Zuschauerreihen turnen.
Zwar ist man von der Cham­pions League der Festspiel-Künstler verwöhnt, aber die am Mozarteum ausgebildeten jun­gen Sänger schlagen sich in bei-den Stücken beachtlich, allen vo­ran Christiane Karg mit reifem Sopran. Und auch das Sinfonieor­chester der Universität unter Jo­sef Wallnig trägt mit erstaunlich spektrenreichem Klang dazu bei, dass die Festspiele sich wohl kei­ne Sorgen um Nachwuchs vor der Haustür machen müssen.

 
MOZART 22

Apollo et Hyacinthus und Die Schuldigkeit des Ersten Gebots. Von Wolfgang Amadeus Mozart. Regie: John Dew. Bühne: Heinz Balthes. Dirigent: Josef Wallnig. Gesangssolisten und Sinfonie­orchester des Mozarteums. Termine: 27. und 28.8., jeweils 19.30 Uhr, Aula der Universität Salzburg.
Restkarten: Tel, (0 66 2) 8045 500
www.salzburgfestival.at