APA W&B 2006.08.26 "Apollo et Hyacinthus" und "Die Schuldigkeit des Ersten Gebots" Treffer versenkt: Die frühesten Mozartopern in Salzburger Aula BILD Utl.: "Apollo et Hyacinthus" und "Die Schuldigkeit des ersten Gebotes" als historisierend-amüsante Blödelei - Überraschend gute Musiker (Von Christoph Lindenbauer/APA) Salzburg (APA) - So, jetzt haben wir sie alle, sämtliche Neuproduktionen des Projektes "Mozart 22" bei den Salzburger Festspielen sind auf die Bühnen gebracht. Zum Abschluss dieses Mammutprojektes gab es gestern, Freitag, Abend in der Großen Aula der Universität die zwei allerfrühesten Bühnenwerke Mozarts zu erleben - und zwar "Apollo et Hyacinthus" und "Die Schuldigkeit des ersten Gebotes" in einer historisierenden und amüsanten Inszenierung von John Dew.
Gerade einmal elf Jahre alt war Mozart, als er das Singspiel "Die Schuldigkeit des ersten Gebotes" schrieb. Schon zwei Monate später vertonte er einen lateinischen Text für sein Schuldrama "Apollo et Hyacinthus", und der Reigen der 22 begann sich zu drehen - für die Festspiele 2006 schloss sich damit der Kreis der Neuproduktionen und belegte nicht nur die organisatorische und logistische Großtat, sondern auch, dass es von Mozart keine uninteressante Musik gibt. Nicht zu fassen, welch spritzige und zündende Arien der Knirps aufs Papier brachte, und wie viel Pepp und Pfiff er dem Orchester mit auf den Weg gab. Da braucht es nicht viel mehr als eine entschlossene Regie-Idee und unkapriziöses, frisches und vitales Musizieren. Gute Sänger, die einen Triller singen und den liedhaft-schmissigen Schwung sauber durch die Melodien bringen. Und der gestrige, festspielgeadelte Hochschulabend hatte viel von diesen Ingredienzien. Apollo, Hyacinthus, der gemeine Zephyrus oder die schöne Melia stolzierten in aufgedonnerten Barockkostümen steif und förmlich über die von Heinz Balthes entworfene Pappmasche-Bühne in jener Aula, in der das Stück 1767 auch uraufgeführt worden war. Der Puder staubt, die Perücke zwickt, und das Korsett hebt das Decollete mit einem Augenzwinkern. In der "Schuldigkeit", jenem moralisierenden Jesuitenspiel über den rechten Weg des Lebens, hat sich Dew für die Klamotte entschieden, und dieses Thema ist - wenn überhaupt - ohne Ironie und Blödelei wohl auch nicht auf die Bühne zu bringen. Salzburg-Panorama, ein Löwe, der die Kulisse frisst, die Barmherzigkeit, die sich den Rauschebart rauft und Sopran singt, knallrote Teufelchen in den Zuschauerreihen und vieles mehr waren im Dauereinsatz, amüsierten und ermüdeten schließlich nur, weil das barock-klerikale Slapstick-Spektakel schlichtweg zu lang war. Dass die Aula also nicht in historischem Theaterschlaf versank, lag nicht zuletzt an den Musikern - Josef Wallnig und sein Hochschulorchester haben lang und gut gearbeitet. Verblüffend, wie akzentuiert, frisch und blitzsauber sich die Studenten in die gar nicht so leichte Partitur stürzten. Gar nicht so leicht sind auch die Arien und ihre Koloraturen, aber die Hochschule hat zum Teil gute Leute zusammengetrommelt, die allesamt in Salzburg ausgebildet werden oder wurden. Christiane Karg hat die beste Figur gemacht, ihr Sopran ist in allen Lagen ausgeglichen und technisch reif, von ihr sollte in Zukunft noch mehr zu hören sein. Auch Jekaterina Tretjakova bewährte sich bestens und brachte kontrollierte Energie mit in den Hyacinthus. Bernhard Berchtold gab einen voluminösen und souveränen Christgeist, und auch Peter Sonn ist ein vielversprechender Tenor. Unterm Strich bleibt von diesem Abend: Viel hat getroffen, in der Praxis aus der Versenkung geholt werden diese beiden Stücke aber wohl auch in Zukunft höchstens von ambitionierten Musikhochschulen. (S E R V I C E - "Apollo et Hyacinthus", Lateinisches Intermedium, KV 38 und "Die Schuldigkeit des ersten Gebotes", Teil eins des von Anton Cajetan Adlgasser und Michael Haydn vervollständigten Singspiels. Josef Wallnig leitete das Orchester der Hochschule Mozarteum, Regie: John Dew, Bühne: Heinz Balthes. Die Solisten in "Apollo et Hyacinthus": Maximilian Kiener als Oebalus, Christiane Karg als Melia, Jekaterina Tretjakova als Hyacinthus, Anja Schlosser als Apollo, Astrid Monika Hofer als Zephyrus und Norbert Seidl als Opferpriester. "Die Schuldigkeit des ersten Gobotes": Michiko Watanabe als Gerechtigkeit, Bernhard Berchtold als Christgeist, Cordula Schuster als Barmherzigkeit, Peter Sonn als Ein Christ und Susanne Karg als Weltgeist. Neuinszenierung der Salzburger Festspiele. Weitere Aufführungen in der Großen Aula der Universität: 27. und 28. August.) |