MOI
Artikel und Infos
Studium
Lehrveranstaltungen
Veranstaltungen
Ensemble
Qualitätsmanagement
Mozart22 DVD
Quellen
Sponsoren- Förderer
Suche in MOI
Drucken E-Mail

Themen aus der Presse...

"Ein liebendes Selbstbewusstsein entwickeln”

Im Mai hat Barbara Bonney an der Universität Mozarteum eine „Masterclass” gehalten. Ab Herbst wird sie eine Gesangsklasse leiten

Reinhard Kriechbaum

Salzburger Nachrichten
Uni- Nachrichten
Samstag 2. Juni 2007

Active Image Das Gedränge war zeitweise groß im Kleinen Studio der Universität Mozarteum. Schließlich bie­tet sich eine Gelegenheit wie diese „Masterclass” nur selten — und profitieren konnten an diesen Tagen durchaus nicht nur jene Studentinnen und Studenten, die vorsangen und mit denen Barbara Bonney dann jeweils für zehn oder fünfzehn Minuten arbeitete.

 Da überraschte Frau Bon­ney die wissbegierigen jungen Zuhörer nicht nur einmal mit Fragen wie: „Wissen Sie ei­gentlich genug über Agenten oder die Steuer?" Solche Ba­sics, sagt sie, würden von jun­gen Künstlern oft unterschätzt: „Nehmt es ernst. Lernt, wie man Buchhaltung macht. Und sucht einen guten Steuerberater, damit es kein böses Erwachen gibt.”

 

30 Jahre Bühnenerfahrung

Das eben ist das Verständnis von „Masterclass”, wie es Bar­bara Bonney hat. Immerhin kann sie auf dreißig Jahre Le­ben im Rampenlicht zurückblicken. Da komme es nicht nur auf die Musik selbst an. Man müsse in diesem Beruf ‚bestens organisiert sein", weiß Barbara Bonney aus harter Erfahrung. Anpassungsfähigkeit sei gefragt, Mut und Selbstvertrauen. „Wenn man als Frau abends in einer wildfremden Stadt landet, allein essen gehen muss – all das braucht eine gewisse Persön­lichkeit."

Eine solche ganzheitliche Sicht auf die Dinge zu vermit­teln wäre der Sinn des „Mozar­teum Tutorial Preises” zum Mozartjahr gewesen: Barbara Bonney hätte ein Jahr lang kontinuierlich mit einem Wettbewerbspreisträger gear­beitet, er wäre mit ihr auch ge­reist, denn ein Künstlerleben besteht eben nicht nur aus Singen. Es will auch das Drumherum organisiert sein: „Man muss sein Glück selbst arrangieren.” Dieser Tutorial Preis ist leider nicht zu Stande gekommen — aber es ist keine Frage, dass die künftigen Schützlinge von Barbara Bon­ney gerade auch in diesem Be­reich von der engagierten Leh­rerin viel mitnehmen werden, sehr viel mehr als das bloße musikalische „Handwerk”. Es wird übrigens das erste Mal sein, dass Barbara Bonney auf Dauer an einer Musikuniver­sität unterrichtet. 1991 hat sie in Tanglewood ihren ersten Meisterkurs gegeben, „und ich fand, dass ich das besser mache als selbst zu singen”, sagt sie mit Understatement. „Ich habe so viel mitzuteilen und möchte so gerne der jun­gen Generation helfen.”

Große Opernproduktionen würden sich wohl nicht mehr ausgehen, sagt sie, neben dem Unterrichten. Nach einem Jahr des Pausierens habe sie aber wohl wieder für einige kleinere Engagements zugesagt. Wird ihr etwas, fehlen, wenn sie nicht mehr so intensiv  im Rampenlicht steht?

„Ich habe genug Oper gesun­gen”, versichert sie. Und nachdenklich fügt sie hinzu: „Schauen Sie, ich bin jetzt 51 - die anderen haben schon aufgehört.” In Salzburg fühle sie sich seit jeher wie zu Hause, freue sich jetzt darauf, „Freundschaften zu pflegen” und sich ihren Studenten zu widmen.

  

Sie wurde in Salzburg Entdeckt

 Was Salzburg bedeuten kann für einen Musikstudenten, das weiß Barbara Bonney aus eigener Anschauung: „Ich hatte meine musikalische Grundschulung in den USA aber es fehlte die Kultur."

In Salzburg, so erinnert sie sich dankbar, habe sie „die Traditi­on eingesaugt”. Barbara Bon­ney hat ja selbst am Mozarteum studiert. Ihr Weg zum Sin­gen klingt wie eine pointiert erfundene Anekdote. Als „schlechte Cellistin” sei sie da­mals nach Europa geflogen, erzählt sie. „Ohne Instru­ment, denn den Flug mit die­sem Gepäckstück konnte ich mir nicht leisten.”

Eigentlich kam sie zum Deutschlernen nach Salzburg, hier erst wurde ihre Stimme entdeckt. Zuletzt studierte sie in der Liedklasse von Walter Raninger. „Er war eine Vaterfigur, er vermittelte einem das Gefühl, keine Angst haben zu müssen. Er sagte: „Jetzt musiziere einfach einmal.” Das Know-how des Opernsingens hat sie sich dann, als 22-Jähri­ge ins erste Engagement ge­kommen, freilich von der Pike auf selbst beibringen müssen. Daher rührt ihr Eifer jetzt, den reichen Erfahrungsschatz weiterzugeben.

Man müsse sich im harten künstlerischen Berufsalltag sehr genau selbst kennen, seine Stimme einschätzen. Das ist ein Punkt, den sie dezidiert immer wieder ansprach, als sie in der „Masterclass” mit jungen Leuten arbeitete, „Ich habe bei Walter Raninger am Mozarteum gelernt, mit mei­ner Stimme zu singen — nur so ist es gegangen, dass ich dreißig Jahre durchgehalten habe.” Und wie ist das nun, wenn Barbara Bonney mit ei­ner Studentin arbeitet, deren Stimme  sozusagen „aufspürt”? Man stellt es sich als Laie ja eher so vor, dass im Ge­sangsunterricht eine Stimme größer, mächtiger gemacht wird.

Da ist Barbara Bonney deut­lich zurückhaltend: „Es ist, als ob die Autobahn zu breit ist”, mahnt sie eine junge Sängerin, „wir fahren auf einer Spur!” Weg mit allem aufge­setzten Vibrato, weg mit aller vermeintlichen „Größe”! „99 Prozent von uns haben keine großen Stimmen”, warnt die Sopranistin. „Es ist eine Ge­fahr, wenn sich Sänger zu. sehr pushen lassen.” Also bloß nicht zu viel auf Kraft set­zen: „Dann hört man den Kern, hört man Ihre Stimme und nicht die Opernsängerin . . .” „Unser klassisches Genre ist ins Money-Making geschoben worden”, warnt Barbara Bonney. Das sei frei­lich nicht in Ordnung, aber der Markt habe eben seine ei­genen Gesetze. Es sei, so deu­tet sie an, nicht sinnvoll, dage­gen aufzubegehren. „Mitschwimmen und seine Limits kennen”, rät sie. Und wenn es unbedingt notwendig ist, sich zu wehren, „dann immer mit Charme”. „Man muss als Sän­gerin ein liebendes Selbstbe­wusstsein haben”, sagt sie, „die richtige Balance finden zwischen Profilieren und Annehmen.” Dieses „liebende Selbstbewusstsein” - das ist es, das sich auch im Unter­richt unmittelbar mitteilt. Das empfinden die angehenden Gesangskünstler ebenso wie die Zuhörerinnen und Zuhörer.
 
(c) Mozart Opern Institut
2007-2014