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Salzburger Nachrichten Uni- Nachrichten Samstag 2. Juni 2007
So machen´s eben nicht alleMozarts Oper „Così fan tutte” entwickelt sich für die Opernschule der Universität Mozarteum zum erfolgreichen Dauerbrenner.
REINHARD KRIECHBAUM

Das kann man "armes
Theater" nennen, aber der szenische Gesamteindruck ist ein erstaunlich
reichhaltiger. Es ist erfrischend, in einer Zeit der ausgeklügelten
Regiekonzepte und Bühnenbilder wieder einmal zu sehen, mit welch schlichten
Mitteln man gutes Musiktheater machen kann." So lobte DrehPunkt‑Kultur-Kritiker Gottfried
Franz Kasparek im Dezember 2005 die Opernschul-Premiere von „Così fan tutte”
in der Regie von Hermann Keckeis.
Im Juni gibt es nun
erstmals eine Kooperation zwischen Universität Mozarteum und Tschaikowsky-Konservatorium:
32 Moskauer Studenten von dort werden für die Aufführungen im Großen Studio
das Orchester bilden.
Für die jungen Russen ist
das sicherlich eine eigenwillige Erfahrung, denn dem Leiter des Mozart-Opern-Instituts
an der Universität Mozarteum, Josef Wallnig, ist auch eine historische Sicht
wichtig. Wallnig arbeitet eng mit Musikern wie dem Geiger Hiro Kurosaki oder
dein Cellisten Howard Penny zusammen, beide ausgewiesene Fachleute auf dem
Gebiet der Alten Musik.
Dieser Tage erst war
Josef Wallnig in Moskau, begleitet von der Salzburger Geigerin Annelie Gahl, um
mit den russischen Musikern intensiv zu proben. Stimmführer des Mozarteum
Orchesters als Tutoren hatten die vorausgeschickten Noten bereits mit den
rechten Bogenstrich-Angaben versehen. Die letzten
zehn Tage vor den Aufführungen probt das russische Orchester vor Ort.
Forschende Blicke in Mozarts Zeit
„Aufregend ist das
Projekt auf jeden Fall”, sagt Wallnig, der zwei Abende selbst dirigieren wird
und am dritten den Taktstock an einen Studenten der Dirigierklasse Davies/Rotter
weiterreicht, an den Spanier Carlos Chamorro. Sparten-übergreifende
Zusammenarbeit, forschende Blicke in die Mozart-Zeit und die Konfrontation
dieser historischen Sicht mit gegenwärtigen Aufführungsstilen - das ist die
Idee für das im Februar 2006 an der Universität Mozarteum begründete Mozart-Opern-Institut.
„Es gehört alles dazu, was
mit Backgroundwissen zusammenhängt”, erklärt Josef Wallnig. Dirigenten, Sänger,
Orchestermusiker haben in der Zusammenarbeit etwa mit Hiro Kurosaki und Howard
Penny, aber auch in bisher fünfzehn Vorträgen zu den unterschiedlichsten
Themen Dinge vermittelt bekommen, die sonst nicht so ohne Weiteres für
Studenten greifbar wären. „Auch hochschulfremde Hörer schätzen diese Vorträge,
die im Vierzehn-Tage-Rhythmus jeweils am Dienstag stattfinden”, freut sich
Josef Wallnig. Am 22. Juni wird die Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager in
einem öffentlichen Kurs mit Mozarteum- Studentinnen Mezzosopran-Arien von Mozart
erarbeiten.
Wie wird die Arbeit im
Mozart-Opern-Institut weitergehen? Josef Wallnig verweist auf die
Zusammenarbeit mit den Wienern Margit Legler und Reinhold Kubik, die mit ihrer
wissenschaftlichen Initiative „Uazione teatrale” die historische
Erscheinungsform von Oper erforschen und rekonstruieren. „Diese Zusammenarbeit
ist mir wichtig”, erklärt Wallnig, denn „historische Aufführungspraxis auch im
szenischen Bereich” werde immer wichtiger und bringe viele Erkenntnisse: „Man
lernt, wie es gedacht war.” Genau deshalb möchte Wallnig auch mit
Opernproduktionen des Mozart-Opern-Instituts in originalen Räumen der Epoche
gastieren, beispielsweise in Gotha, in Schwetzingen oder im Markgräflichen
Opernhaus zu Bayreuth. „Oder auch im Schlosstheater von Krumau (Tschechien), wo
das Orchester einst mit dem Gesicht zur Bühne gespielt hat”, sagt Wallnig. Eines
ist ihm dabei besonders wichtig: Erfahrung sammeln aus der ursprünglichen
Aufführungssituation. Akustik und Raumgröße haben ja gewiss das Werk und seine
Aufführungspraxis beeinflusst: „Es soll nicht so sein, dass wir mit einer
Produktion beispielsweise nach Gotha fahren. Es geht darum: Was lernt man, wenn
man gerade dort ,Apollo und Hyacinth macht?”
INFO Così fan tutte
Eine Produktion der Opern-klasse
in Zusammenarbeit mit dem Mozart-Opern-Institut Szenische Leitung: Hermann
Keckeis, Musikalische Leitung: Josef Wallnig und Carlos Chamorro- Moreno, Orchester
des Tschaikowsky Konservatoriums Moskau.
Mo, 18. Juni, Di, 19. Juni,
Mi, 20. Juni, 19.00 Uhr, Großes Studio, Neues Mozarteum, Mirabellplatz 1
Tickets: Euro 14,-/erm. 7,-Kartenbüro
Neubaur, Europark, Tel. 0662/84 51 10
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