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Dem sicheren Liebestod entgegen Print E-mail

Drehpunkt Kultur
2007.05.15

Dem sicheren Liebestod entgegen

Aus einem der hinteren Regale der Musikgeschichts-Bibliothek: Johann Adolf Hasses Serenata "Marc'Antonio e Cleopatra" wurde von der Universität Mozarteum in der Kollegienkirche wiedererweckt.

Von Reinhard Kriechbaum

15/05/07 Eine "Serenata" nach italienischem Verständnis im Hochbarock: Das war Fortsetzung der Opera seria mit anderen, bescheideneren Mitteln. Wohnzimmer-Oper für Adelige, die sich so etwas leisten konnten und wollten. Keine bescheidene Uraufführungsbesetzung im Neapel des Jahres 1725 für Hasses "Marc'Antonio e Cleopatra"! Immerhin sang der damals zwanzigjährige und schon hochberühmte Kastrat Farinelli die weibliche Hauptrolle.

Marc'Antonio und Cleopatra sind in dem Zweipersonenstück zwar die Widersacher abhanden gekommen, aber es fehlt nicht an Dramatik. Immerhin muss der abtrünnige römische Feldherr seiner geliebten Königin am Beginn gestehen, dass er das Hasenpanier ergriffen hat vor Octavianus (dem späteren Kaiser Augustus) - natürlich nicht aus persönlicher Feigheit, sondern aus lauter Liebe zu Kleopatra. Besser davongelaufen und gemeinsam mit der Geliebten zu sterben, als bei der Seeschlacht abgesoffen! Sie kann sich mit dem Gedanken auch recht gut anfreunden, und nach vier Arien und zwei Duetten, in denen Emotion und Schicksal von allen Seiten ausgeleuchtet werden, klingt die einstündige "Serenata" von Johann Adolf Hasse (sein erstes Stück, das in Italien gegeben wurde) auffallend lyrisch und ergeben aus.

Eine Kammeroper also, die auch in ihren Affekten einigermaßen im Wohnzimmer-Rahmen bleibt. Für die Salzburger Wiedererweckung haben Josef Wallnig und das Kammerorchester Cis den Streicher-Grund für das musikalische Doppelporträt angelegt: eine rhetorisch sprechende Wiedergabe, die all dem Ausdruck, den die beiden Sängerinnen vermitteln müssen, gut zuarbeitete. Jadviga Scheinpfugova war der Antonio, der sein Schicksal aufs Ausführlichste beklagt, wogegen Claudia Michel eine Cleopatra gab, die gefasst wirkte und königinnenhaft dem bevorstehenden Untergang entgegen liebt. Zwei gesangstechnisch versierte, koloraturengeeichte Studentinnen, die man jederzeit ins heutzutage boomende, echte Barockopernleben entlassen darf.

Kein szenischer Firlefanz. Marc'Antonio wechselt die Military-Jacke gegen weißes Hemd und Schärpe, Kleopatra zündet bald mal Kerzen an fürs letzte (Liebes)Stündchen. - Was freilich, kann man fragen, hat eine Kammeroper, hat dieser Stoff in der Kollegienkirche verloren? Viel Effekt ist an dem Abend verhallt, und die (zu erwartend geringe) Besucherzahl machte den Riesenraum nicht zwingender. Wenn man sich schon die Residenz nicht leisten kann und repräsentative "Adelsräume" in Salzburg nicht zur Verfügung stehen: Vielleicht wäre die Sala terrena an der juridischen Fakultät jener öffentliche Raum gewesen, wo Hasses "Serenata" auch akustisch ungleich vorteilhafter hingepasst hätte.

Zweite Aufführung heute, Dienstag (15.5.) um 20 Uhr. Diesmal singt Indra Podewils den Marc_Antonio.
 
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