KLEINE ZEITUNG
Donnerstag, 31. August 2006
Mozart-Opern ließen die Kassen klingeln
Künstlerisch
durchwachsen, wirtschaftlicheine Rekordsaison: Die
Salzburger Festspiele lockten mit der Idee, alle
22 Bühnenwerke von Mozart in dessen Jubiläumsjahr
aufzuführen, mehr Besucher an
denn je.
MICHAEL
TSCHIDA
Der Kusej
war gut für Salzburg, den haben alle
mögen, aber der andere, der
net Deutsch können hat, über den haben die Leut
'g'schimpft", sagt der
Taxler und mokiert sich darüber, „dass alle
für den Blödsinn zahlen miassen”
Knappes
Resümee von Volkes Stimme, die sich zwar an den
Schauspielchef und sogar an Gérard Mortier
erinnert, der 1992 bis 2001 stets umstrittener und streitbarer
Intendant in
Salzburg war, nicht aber offenbar an den Mann, der letztmalig
für die
Festspiele verantwortlich zeichnete und heuer einen besonderen
„Blödsinn”
lieferte, nämlich alle 22 Opern des Jahresregenten Mozart zu
spielen.
Gestern
zog Peter Ruzicka
selbst in Salzburg positive Bilanz über seine
kühne Programmidee ‚Mozart 22". In seiner
letzten Pressekonferenz als
Intendant bedankte er sich explizit bei den „mit
Engagement und Liebe zur
Sache” werkenden Mitarbeiten, dem „wie
nirgends sonst begeisterungsfähigen und
informierten” Publikum und der „ermunternd
aufmerksamen” Presse. Das Urteil
über die künstlerische Qualität des
Mammutprojekts fiel im Feuilleton
ambivalent aus (siehe auch Spalte [unten]).
Schon
zuvor hatte Ruzicka,
der sich nach seiner Salzburger Ära wieder
verstärkt seinem Wirken als Komponist widmen wird, hoch
zufrieden mit der
Realisierung von „Mozart 22” gezeigt:
„Wir haben die Mozart-Koordinaten neu vermessen
und Maßstäbe gesetzt.” Der
58-jährige Düsseldorfer betonte gestern aber erneut,
dass sein Engagement für
die
zeitgenössische Musik
und vor allem für Exilkomponisten wie Zemlinsky oder Korngold
als Zentrum
seines Wirkens in Salzburg gesehen werden mögen.
Nach dem
Verwirrspiel um
den heuer erwirtschafteten Überschuss
haben sich Festspieldirektorium und
SPÖ-Landeshauptfrau Gabi
Burgstaller auf die Zahl 1,6 Millionen Euro festgelegt. Zusammen mit
dem
Überschuss aus dem Jahr 2005 von nunmehr offiziell 900.000
Euro seien das 2,5 Millionen
Euro (siehe Kasten [unten]).
RÜCKLAGEN
Burgstaller
erklärte, das wirtschaftliche Ergebnis der
Ausnahmesaison, in
der fast alle Rekorde gebrochen wurden, sei
beruhigend. „Die Rücklagen tun
gut. Das Budget für 2007 ist fixiert, über
Subventionen für 2008 möchte ich
jetzt nicht reden. Es wäre unfair, irgendwem von hier
aus Vorgaben zu machen.”
Burgstaller hatte ja dem Wunsch von
Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler
nach mehr Subvention „als längst
fällige Inflationsanpassung” zuvor eine
Absage erteilt, Soziales und Gesundheit seien wichtiger.
Auch für
Schauspielchef Martin Kusej war diese
Bilanz-Pressekonferenz die
letzte nach sechs Jahren Salzburg, davon zwei als Schauspielchef. Trotz
des
enormen Anspruches, den die Oper formuliert hat, hat das Schauspiel auf
Augenhöhe mithalten können, ich danke allen
Beteiligten für den vertrauensvollen
Wettkampf."
RÜCKSCHAU
UND VORSCHAU
Rekordsaison: Die
Festspiele verkauften
bei 237 Veranstaltungen 263.200 Karten.
Einnahmen:
28,38
Millionen Euro,
2,23
Millionen mehr
als erwartet.
Die Auslastung stieg von 93 (2005) auf 94 Prozent
Überschuss:
Abzüglich
diverser
Sonderinvestitionen
blieben 1,6
Millionen
Euro, mit den
900.000 Euro
aus dem Vorjahr
hinterlässt
Peter
Ruzicka seinem
Nachfolger Jürgen
Flimm 2,5 Millionen
Euro.
Karten: Kosteten heuer
für
die Opern zwischen 40 und 360 Euro („Figaro”,
achtfach überbucht: bis 600
Euro). An Preiserhöhungen ist nicht gedacht.
Budget:
Im
Herbst wird das Budget
für 2008 erstellt, darin sollen
zwei Millionen Euro fehlen. Jürgen
Flimm droht mit der Kürzung der
Festspiele, vermutlich wird man sich
auf weniger Veranstaltungen einigen. www.salzburgfestival.at
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