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Musik Kritiken, Drehpunktkultur Salzburg VON MICHAEL MALKIEWICZ
Gegen die Veloziferung der Welt
Manfred Osten sprach am Montag (20.11.) im neuen
Mozart-Opern Institut der Universität Mozarteum über Faust und Don Giovanni.
23/11/06 Langsam aber sicher gewinnt das von Josef
Wallnig ins Leben gerufene und am 15. Februar 2006 offiziell gegründete
„Mozart-Opern Institut” an Kontur. Manfred Osten, Humorist, Schriftsteller,
Musiker, Rechtsgelehrter und viele Jahre lang Generalsekretär der
Humboldt-Stiftung brachte in dem Vortrag "Faust - eine Oper von
Mozart?" Licht in Don Giovannis dunkle Welt.
Beschleunigung und Ungeduld prägen unser Zeitalter. So
hat es auch schon Geheimrat Goethe empfunden, wie er es in einem (allerdings
nie abgeschickten) Brief an Nicolovius auf die Formel "alles
veloziferisch" gebracht hatte. Der Rausch der Geschwindigkeit, die Lust am
Übermaß und blinder Zukunftswahn, ohne die Lehren aus der Vergangenheit zu
ziehen, bringen den Menschen zu Fall. Hier ähnelten, so Osten, Faust und Don
Giovanni einander.
Die globale Beschleunigung in Wirtschaft und Gesellschaft
in der Lebens- und Alltagswirklichkeit des Einzelnen hat Osten bereits in
seinem Buch "Alles veloziferisch" oder Goethes Entdeckung der
Langsamkeit" (2003) thematisiert, worin er dessen unverminderte Aktualität
aufzeigt. Osten entfaltet seine These an Goethes Faust, den
Wahlverwandtschaften sowie am West-Östlichen Divan. Für den Vortrag am
Mozart-Opern Institut hat er nun noch die Figur des Don Giovanni hinzugefügt.
Kulminationspunkt des in rasantem Tempo alles verschlingenden
Protagonisten (die schnelle Liebe, der schnelle Degen, der schnelle Reichtum)
ist für Osten Don Giovannis zungenbrecherische Champagnerarie, mit der für
Arien seltenen Tempobezeichnung Presto. Don Giovanni stürze sich von Abenteuer
zu Abenteuer, nur die Gegenwart und die Zukunft zählen. Aber wer seine
Geschichte nicht kenne, sei dazu verdammt, die Fehler der Vergangenheit zu
wiederholen. Den letzten Rest einer sich in Auflösung befindlichen
Erinnerungskultur stelle Leporellos Notizbuch dar, indem zumindest Anzahl und
Ort der heimgesuchten Damen gleichsam archiviert werden.
Goethe hat als Direktor des Weimarer Hoftheaters Mozarts
Don Giovanni über sechzig Mal zur Aufführung gebracht. Er gehörte zu Mozarts
größten Bewunderern. Das Genie hat das Genie erkannt: Wenn überhaupt, dann
hätte Goethe Mozart zugetraut, seinen "Faust" zu vertonen - der war
da freilich schon beruhigend lange tot.
Osten zitiert aus dem Stand Goethe, Nietzsche, Schiller,
Kraus, Grillparzer, um nur einige zu nennen, und verknüpft deren Gedanken zu
(s)einer großen Idee einer steten Akzelerations-Tendenz unserer Kultur, wobei
er sich auf das große Fundament von Geschichte, Literatur und Anekdoten stützt.
So las etwa Goethe am Ende seines Lebens noch mit Unbehagen den Bericht einer
Eisenbahnreise von Liverpool nach Manchester, ein Geschwindigkeitsrausch, der
Mozart und dem Zeitalter der Postkutsche erspart blieb.
Nicht nur der Inhalt sondern vor allem auch die
einnehmende Art des freien Vortrags boten einen erfrischenden Seitenblick auf
Mozarts Oper.
Die nächsten Termine der Reine "Von A wie Apollo bis
Z wie Zauberflöte":
4.12.: Zauberflöte. Kampf von Licht und Finsternis (H.
Kapplmüller)
18.12.: Gesprächskonzert zu Mozart und Salieri als
U-Musik-, Kanon- und Gesangsschulkomponisten (J. Wallnig) 16.1.2007: Mozart
meets Farinelli (M. Malkiewicz) -jeweils 18.30, Studienkonzertsaal, Mirabellplatz
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