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APA W&B
2006.08.28 

"Apollo et Hyacinthus" und "Die Schuldigkeit des Ersten Gebots"


APA W&B vom 28.08.2006
Rubrik: Kunst und Kultur
Wunderkind Mozart am Ende des Salzburger Opern-Marathons
Utl.: Von Werner Thuswaldner, dpa 
 
Salzburg(dpa) - Mit zwei sehr frühen Werken des Wunderkindes Mozart ist der "Mozart-Marathon" bei den Salzburger Festspielen auf die Zielgerade eingebogen. Regisseur John Dew inszenierte die Singspiele "Apollo und Hyazinth" und "Die Schuldigkeit des ersten Gebots" in der Universitätsaula einmal mit augenzwinkernden historischen Verweisen, im anderen Fall als deftiges Volksstück. Das Ensemble agierte auf hohem Niveau und erntete vom Premierenpublikum am Freitagabend großen Applaus und Bravo-Rufe.
Beide Werke, die aus heutiger Sicht wenig bühnenwirksam sind, komponierte der elfjährige Mozart für das Salzburger Schultheater der damaligen Zeit. Regisseur Dew nimmt darauf Bezug, wenn er das lateinische Intermedium "Apollo und Hyazinth" am Ort der Uraufführung mit historischen Bezügen versieht. Dabei nimmt er gerade das Statuarische der Komposition augenzwinkernd aufs Korn.
Immer wieder lässt er die Darsteller in der antiken Eifersuchtsgeschichte mit abgewinkelten Armen und gespreizten Fingern erstarren, als wären die Figuren antiken Bildern oder Stichen entstiegen. Heinz Balthes hat dafür auf das kleine Podium der Aula ein opulentes Barocktheater gezimmert, mit stimmungsvollen Landschaften im Hintergrund. Im dritten Akt rollen sogar schaumgekrönte Meereswellen daher. Die pretiösen Kostüme, starre Reifröcke vor allem, tragen viel zur glänzenden Wirkung bei.
Demgegenüber folgt "Die Schuldigkeit des ersten Gebots" dem typischen Schema des gegenreformatorischen Bekehrungstheaters: Himmlische und höllische Kräfte versuchen, die menschliche Seele auf jeweils ihre Seite zu ziehen. Regisseur Dew macht daraus ein deftiges Volksstück, das turbulent und pointiert vor wechselnden, im Stil der Naiven gemalten Prospekten abläuft.
Ein übereifriger Franziskanermönch, der heilige Petrus und die Himmelsmutter Maria, alle wie Votivtafeln entstiegen, vertreten den Himmel, während eine Schar von feuerroten Teufeln, die sich auch durch die Zuschauerreihen zwängen, für die Hölle einstehen. Hier wird aber nicht etwa mit großem Aufwand eine Nichtigkeit aufgebläht, die erstaunliche musikalische Substanz rechtfertigt diese Anstrengungen.
Die sängerischen Ansprüche sind kaum geringer als bei Mozarts späteren Opern. Die Besetzung hat ein Niveau weit über dem Schulbereich, in dem die Produktionen bewusst angesiedelt sind. Josef Walling, Lehrer am Mozarteum, musiziert mit dem Sinfonieorchester der Universität zupackend, mit dem Ideal des Originalklangs vor Augen. Beherzt gespielte, nie unverbindliche, geglättete Musik ist zu hören. Und am Ende des Mozart-Projektes der Festspiele bleibt die erstaunte Frage: Diese Musik soll ein Kind geschrieben haben?
 
 
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