Nicht zappeln, nicht grapschenUNIVERSITÄT MOZARTEUM / XANGSCHUL
Eine Kulturgeschichte des Gesangsunterrichts erzählt das „Mozart Opern Institut“ in der liebenswürdig heiteren und informativen Produktion „Xangschul“. Schon immer waren Gesangseleven nicht der gleichen Meinung wie ihre Lehrer. Von Heidemarie Klabacher
Wenn der Herr Professor gar der Dienstgeber ist und die - unwillige - Schülerin die Köchin, ist es natürlich besonders pikant: Mit einer Szene aus der Oper „Der Kapellmeister“ von Ferdinando Paer (1771-1839) haben Josef Wallnig und Studierende des Mozart Opern Instituts den Einblick in die Geschichte des Gesangsunterrichts eröffnet: Eine virtuose Szene, die den beiden Solisten gesangstechnisch so einiges abverlangt: Sie soll lieben und leiden wie Cleopatra - schwierigste Koloraturen trällernd - dieweil sie viel lieber ihren Teig fertig rühren würde. Aber ihre Stimme rührt das Herz des Professors ebenso wie ihre Torten und Ragouts… Anna Katharina Landgraf und Franziskus Schachreiter brillieren als Köchin Gertrud und Kapellmeister Barnabé.
Weil das Singen ja so leicht nicht ist, haben namhafte Komponisten nicht
nur schwierige Arien, sondern manchmal auch die Vorübungen dazu
komponiert. Bei Mozart findet sich so etwas unter KV 393: „Solfeggi“
nennt man solche Stücke, die ohne Text, nur auf einen Vokal, zu singen
sind. Mozart hat eine solche Vorübung u. a. für seine Frau Constanze
geschrieben, die in Salzburg in St. Peter ein Sopransolo in der c-Moll
Messe gesungen hat - in familiär angespannter Situation: Leopold Mozart
hat diese Schwiegertochter abgelehnt. Ob ihm wenigstens ihr Gesang
gefallen hat? Die Sopranistin Christina Gansch jedenfalls bezaubert mit
der Vokalise, die auf dem „Et incarnatus est“ der c-Moll Messe basiert,
ihr Publikum: eine klare strahlende Stimme, technisch perfekt geführt.
Antonio Salieri hat die Anweisungen für seine Schülerinnen und Schüler
komponiert: Die Kanons aus seiner „Schola di canto“ haben Texte wie
etwa: „Wer singt, soll ruhig stehen und nicht herumtanzen“. Triller und
andere Verzierungen wurden auch in Kanons verpackt. Gegen die
Sänger-Untugend, Worte mit einem „h“ (H-Agnus Dei) oder „hm“ zu beginnen
ist bis heute kein Kraut - wohl aber ein Salieri-Kanon gewachsen.
Christina Gansch, Anna Hempel und Simone Vierlinger präsentieren die
Kanons aus Antonio Salieris Gesangsschule.
Eine Kleinst-Oper von Domenico Scarlatti aus dem Jahr 1715 - „Dirindina,
intermezzo per musica“ - erzählt davon, was herauskommt, wenn auch noch
ein Kastrat (im Großen Studio am Donnerstag 3.10. ein moderner
Countertenor) in das komplizierte Verhältnis zwischen Gesangslehrer und
künftiger Diva eingreift. Die Mezzosopranistin Indra Podewils -
sängerisch technisch und klanglich hervorragend und darstellerisch
hinreißend - gibt die Sängerin Dirindina, Robert Davidson mit
volltönendem kultiviert geführtem Bariton den Professor Don Carissimo.
Onur Abaci, den man ja schon oft gehört hat, brilliert mit seinem
beweglichen, auch in hohen Lagen klangvoll und reich timbrierten
Contertenor als Kastrat Licione.
Die Schulszenen werden von Theresa McDougall-Oeser und Josef Wallnig am
Klavier begleitet, die Scarlatti-Miniatur wird untermalt von einem
kleinen Ensemble bestehend aus Victor Aguirres (Violine), Beatrice
Holzer-Graf (Violoncello) und Theresa McDougall-Oeser (Cembalo). |