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DrehPunktKultur 07.12.2009 IL PARNASO CONFUSODen Musen geht die Kreativität aus Von Horst ReischenböckDas Mozart-Operninstitut der Universität Mozarteum zeigt im Marmorsaal des Schlosses Mirabell die Kammeroper "Il Parnaso confuso" von Gluck. 07/12/09 Habsburger-Kinder hatten hochwertigsten Unterricht, gerade auf musisch-musikalischem Gebiet. Kein Wunder, dass aus der Familie ein Kleeblatt veritabler Komponisten kam. - Christoph Willibald Gluck hatte Kaiserin Maria Theresias Herz mit "Le Cinesi" im Schlosshof von Schönbrunn betört, und er war zum Musiklehrer der Kaiserkinder ernannt worden. Im Wissen um das künstlerische Potenzial schuf er 1765 für vier der Schwestern ein "Operchen", bestehend aus dreiteiliger Sinfonia, einem halben Dutzend von Arien plus einem alle Beteiligte vereinenden Quartettfinale. War’s dazumal Schloss Schönbrunn gewesen, so fand sich hier im Marmorsaal von Mirabell ein passendes Ambiente für ein einfaches Podest mit einem Rokoko-Landschaftshintergrund, ähnlich dem Gemäldedokument in der Präsidial-Kanzlei der Wiener Hofburg. Das Landestheater steuerte die Kostüme für die vier Damen bei. Von Margit Legler geführt, setzen die Darstellerinnen eine optisch minimalistisch reduzierte Gebärdensprache um. Zu Recht, denn im Libretto des Hofpoeten und kaiserlichem Italienischlehrers der Erzherzoginnen, Pietro Metastasio, spielt sich die Handlung ja in den Rezitativen ab. Auf dem Parnass geht es deswegen konfus zu, weil Apollo die Musen beordert, schon für den kommenden Tag die Hochzeit zu verschönern. Es mangelt aber auch den kreativen Geistern im Mythenhimmel an Einfällen. Die Arien spiegeln emotionalen Ausdruck. Vor allem die Erzherzoginnen Maria Amalie und Maria Elisabeth Josepha müssen hoch begabt gewesen sein. Gluck, damals noch entfernt von opernreformatorischen Ideen, bedachte beide mit je einem Arienpaar. Uljana Maximova und Kristina Busch steuerten als Euterpe und Erato das Ihre zum Wohlgelingen des herzlich bedankten 75-Minuten-Abends bei. Dem Gott Apollo (Irina Marinas) sind Koloraturstakkati zugeordnet, während Laila Neumann als Melpomene vorerst funkelnde Trillergirlanden und danach berührend seelischen Abschiedsschmerz ob der Unerfüllbarkeit des Auftrags gestalten durfte. Der Cembalist Reinhold Kubik hat die Sängerinnen einstudiert. Josef Wallnig hat nur die viertelstündige Ballettmusik ausgespart (zu der einst wohl weitere jüngere Kinder der Kaiserin Maria Theresia tanzten). Unter seiner animierten Leitung bewies das Streichquintett, das Oboenpaar und das Fagott auch ohne Originalinstrumente, wie Glucks differenzierte, noch im Geist des Barock gehaltene Klangrede aufzuleuchten vermag. Die Aufführung des Mozart-Operninstituts der Universität Mozarteum wurde im Rahmen eines Gastkurses für barocke szenische Aufführungspraxis erarbeitet. Gluck und Salzburg? Der heutige Montag (7.12.) bietet Gelegenheit daran zu erinnern, dass die Editionsleitung der Gluck-Gesamtausgabe hier zuhause ist: Die Gluck-Forschungsstelle Salzburg, eine Einrichtung der Universität Salzburg, wird von em. Univ.-Prof. Gerhard Croll und Univ.-Prof. Claudia Jeschke geleitet. Gerhard Croll hat heute das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Forschung 1. Klasse erhalten. |