"Il Paranso confuso" Festa teatrale von P.Metastasio und Ch.W.Gluck
Musikalische Leitung: Josef Wallnig Szenische Leitung: Margit Legler Do 3.12., Mo 7.12., Do 10.12.2009 19.00 Uhr Marmorsaal Schloss Mirabell Mirabellplatz 4 Tickets: E 14/erm. E 7, Polzer Travel und Ticketcenter Tel: 0662 8969, Email:
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und an der Abendkassa
Programmheft Download (PDF) Ein Vorläufer von Robert Musils „Parallelaktion“? Die Tradition der österreichischen Nulllösung - von Reinhold Kubik
Die Festa teatrale „Il Parnaso confuso“ wurde für die Hochzeit von
Erzherzog Joseph (1741-1790, dem nachmaligen Kaiser Joseph II) mit
Maria Josepha von Bayern, seiner zweiten Frau, geschrieben. Die
Aufführung war am Abend nach der Trauung, am 24. Jänner 1765, im „Salon
des Batailles“ im Schloß Schönbrunn. Am 19. Jänner fand die
Generalprobe in Anwesenheit von Kaiserin Maria Theresia statt, später
noch eine Wiederholungsvorstellung in der Wiener Hofburg am 9. Februar.
Die Sängerinnen waren vier Erzherzoginnen, also Schwestern Josephs:
Maria Josepha, geb. 19.3.1751, als Euterpe; Maria Elisabeth Josepha
(später Äbtissin in Innsbruck), geb. 13.8.1743, als Melpomene; Maria
Amalie (später Herzogin von Bourbon-Parma), geb. 26.2.1746, als Apollo;
Maria Caroline Louise (später Königin von Neapel-Sizilien), geb.
13.8.1752, als Erato.
Erzherzog Leopold (1747-1792, der spätere Kaiser Leopold II) leitete
die Vorstellung als „maestro al cembalo“. Der Librettist Pietro
Metastasio (1698-1782) war der Italienischlehrer der kaiserlichen
Kinder, Christoph Willibald Gluck (1714-87) ihr Musiklehrer. Die
Aufführung wurde von Johann Franz Greipel (1720-1798) im Auftrag Maria
Theresias festgehalten. Das Gemälde im Besitz des Kunsthistorischen
Museums Wien befindet sich heute im Arbeitszimmer des österreichischen
Bundespräsidenten in der Hofburg. Es zeigt eine konkrete Stelle des
Stückes, die auf der neben Melpomene liegenden Schriftrolle lesbar ist.
Das Libretto wurde im Jahr 1765 mehrmals gedruckt, handschriftliche
Partituren befinden sich in der Musiksammlung der Österreichischen
Nationalbibliothek zu Wien, in Berlin, Dresden, Paris und Neapel. Im
Werkverzeichnis von Wotquenne trägt das Werk die Nummer 33.
Die drei Musen Euterpe (Muse der Liebes- und Heldendichtung, Attribut:
Lyra), Erato (Muse der Lyrik, Attribut: Flöte) und Melpomene (Muse der
Tragödie, Attribute: Schriftrolle, Lorbeerkranz) genießen ihren
Aufenthalt auf dem Parnass, dem Gebirge in der Nähe von Delphi, wo
Apollo wohnt. (Metastasio hat übrigens Euterpe und Erato hinsichtlich
ihrer Aufgabenbereiche und Attribute gegenüber der antiken
Überlieferung vertauscht.) Apollo stört den beschaulichen Frieden durch
die Ankündigung, daß die Musen schon am nächsten Tag das kaiserliche
Hochzeitsfest mit ihren Künsten in besonderer Weise verschönen müßten.
Apollo geht danach weg – auch die anderen Musen müssen aktiviert werden
–, kündigt aber für den nächsten Morgen die tägliche Rückkehr mit der
Morgenröte an; dann müsse man sogleich zur Hochzeit eilen. Die
Verwirrung („confuso“) ist groß – am Ende der Nacht haben die Musen
zwar ihre Musikinstrumente auf der Suche nach einer zündenden Idee
gegenseitig ausprobiert und verschiedene Themen diskutiert, aber gar
nichts zuwege gebracht. Das Thema hat eine grundsätzliche
Verwandtschaft zu Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“, in dem mit
Hilfe einer „Parallelaktion“ der herausragendsten Kräfte des Landes
eine einzigartige Idee gesucht wird, um das 70jährige Thronjubiläum von
Kaiser Franz Joseph (das 1918 gewesen wäre) würdig zu begehen –
natürlich auch ohne Erfolg. Das 18. Jahrhundert hat dazu eine etwas an
den Haaren herbeigezogene Positivlösung bereit: Das künstlerische
Vermögen der Musen müsse angesichts der Herrlichkeit von Brautpaar und
Hochzeit verstummen, und sie könnten für ihre kümmerlichen Leistungen
nur auf die großherzige Nachsicht der kaiserlichen Familie hoffen.
Unsere Präsentation orientiert sich so weit wie möglich an den
Gegebenheiten der damaligen Aufführung. Das beginnt beim Aufführungsort
– dem Festsaal in einem Schloß, auf einem Podest anstelle einer
veritablen Bühne (die Theatergeschichte kennt dafür den Begriff des
„Pawlatschentheaters“). Der Hintergrundprospekt ist eine Kopie nach dem
Gemälde in der Hofburg. Leider fehlten die Budgetmittel, die Kostüme in
Anlehnung an das Gemälde herzustellen, aber die Sängerinnen verwenden
die in vielen Traktaten überlieferte historische Schauspielkunst der
Barockzeit, wie sie von Margit Legler seit vielen Jahren unterrichtet
wird.
Wir danken Frau Christine Jaschinsky, der Leiterin des Potsdamer
Ensembles „I Confidenti“, für ihre Beratung in Sachen
Hintergrundprospekt, die zu der Firma „Big Image Systems Deutschland
GmbH” geführt hat, die dann den Prospekt in einem Spezialverfahren
herstellte. |