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drehpunktkultur 30.01.09 Farbe und Stimme bekennen„Die Hochzeit des Figaro“ hatte am Donnerstag (29.1.) im Großen Studio bejubelte Premiere. Nach einer Aufführung der Parallel-Besetzung heute Freitag (30.1.) geht es mit der Konzertdirektion Schlote auf Österreich- und Deutschland-Tournee.Von Heidemarie Klabacher 30/01/09 Das Publikum in Rüsselsheim, Wels, Steyer oder Augsburg kann sich auf eine sehr elegante fein gearbeitete Inszenierung - und auf ein viel versprechendes Mozart-Ensemble freuen. Die Produktion wird von der Konzertdirektion Schlote und in zwei Besetzungen auf Tournee geschickten: Insgesamt 13 Aufführungen (inklusive Premiere und drei weiteren Terminen in Salzburg) stehen auf dem Reiseplan. Bei der Premiere am Donnerstag (29.1.) im Großen Studio waren einige der jungen Sängerinnen und Sänger doch noch ein wenig verkrampft und stimmlich gelegentlich zum Mitzittern nervös. Das nahm der Aufführung, einer Produktion des Instituts für Mozart-Opern Interpretation des Mozarteums, aber nicht von ihrem jugendlichen Charme. „Abgesehen davon, dass man künstlerisch nie zufrieden sein darf, bin ich sehr zufrieden“, sagte Joachim Schlote in der Pause zum DrehPunktKultur. „Es sind tolle Talente dabei.“ Es sei ihm ein großes Anliegen, jungen Künstlern Auftrittsmöglichkeiten zu geben - und er wiederum verspreche sich für sein Publikum eine Serie gelungener Aufführungen. „Jeden zweiten Tag diese anspruchsvollen Rollen singen. Die Kräfte sammeln. In den Auftritten und Wegen auf der Bühne umschalten auf die unterschiedlichen Größen der einzelnen Häuser: Die jungen Leute können viel für den Beruf lernen“, weiß Schlote. „Da heißt es Farbe und Stimme bekennen.“ Eine resolute Susanna, die die Intrige und die Aufführung zusammenhält, ist im Figaro ja schon fast die halbe Aussteuer (Miete zahlen sie ja nicht, der Graf denkt an andere Formen der Aufwandsentschädigung). Mit Karolina Plickova stand denn auch eine darstellerisch liebenswürdig natürliche und sängerisch überzeugende Susanna auf der Bühne. Ihre „Rosen-Arie“ (Deh vieni, non tardar) war sängerisch einer der Höhepunkte des Abends. Zumal das Orchester des St. Petersburger Rimsky-Korsakow-Konservatoriums, das sich gelegentlich ein wenig holzschnittartig zu Wort meldete, hier unter der Leitung von Josef Wallnig fein und beredt begleitete. Raffiniert einfach und „tourneetauglich“ - dabei elegant und voller Understatement - ist das Bühnenbild von Marouan Dib: Von den berühmten drei Türen, die allein man angeblich für einen Figaro braucht, sind drei überdimensionale Rahmen übrig geblieben (und erinnern ein wenig an Marina Abramovics „Spirit of Mozart“ an der Staatsbrücke). Ein Fauteuil steht zwar da, Cherubino versteckt sich aber im Umzugskarton (Susanna und Figaro richten sich ja gerade ein). Elegant sind der Salon der Gräfin oder der Garten, in dem vier Zedern ausreichen, ein „labyrinthisches“ Gefühl zu erwecken. Wenn es ans Auflösen der Intrige geht, wird die Szene von oben gefilmt (Live-Video Reinhild Buchmayer und Anna Katharina Landgraf; technische Leitung Andreas Greiml) und an die Bühnenrückwand projiziert: Da sieht man, das der Boden schwarz-weiß gepflastert ist und die Protagonisten sich - eigentlich schon die ganze Zeit über - „fremdbestimmt“ bewegen, wie Schachfiguren. Beim Schluss-Tanz dagegen entsteht auf diese Weise fast ein „Ballgedränge“ Womit wir bei der Regie angekommen sind: Hermann Keckeis hat den Figuren genau ins Herz geblickt und viele feine eindringliche Bilder geschaffen: Wenn etwa Susanna ihre Arie singt (mit der sie im Zuge der Intrige ja den zudringlichen Grafen apostrophiert) wendet sie sich mit einer einzigen kleinen Geste dem versteckt lauschenden Figaro zu - der längst, mehr verzweifelt als zornig, resigniert zu haben scheint. Mit farblich sehr kräftiger, fast „popiger“ Beleuchtung, die gleichzeitig der fast leeren Bühne Plastizität und Tiefe verleiht, werden die Stimmungen und Emotionen herausgestrichen und verstärkt. Da kann es schon sein, dass die Wände erröten mit steigender Eifersucht - aber die Regie strapaziert diesen Effekt nicht über Gebühr, er bleibt daher wirkungsvoll. Einzig zwei Video-Computer-Animationen zu Beginn (wenn Figaro dem Grafen seine schlechte Meinung sagt) fallen aus dem in sich geschlossenen Konzept ein wenig heraus, da sie später nicht mehr aufgegriffen werden. Wie schön, dass diese engagierte Produktion nicht gleicht heute Abend von der Bühne ins Depot wandert, sondern auf Tournee geht und die jungen Sängerinnen und Sänger noch Zeit haben, zur „Vollform“ aufzulaufen. |