Drehpunkt Kultur 2007.05.19 Sofort engagieren! So machen’s leider nicht alle! Die Premiere von Mozarts „Così fan tutte“ der Abteilung Musiktheater an der Universität Mozarteum am Montag (18. 6.) war nicht nur ein beachtliches sondern ein bemerkenswerten Ereignis.
Von Horst Reischenböck 19/06/07 Dank der Vorarbeit von Annelie Gahl und Josef Wallnig, dem Dirigenten der Aufführung, geriert allein schon das, was aus dem Graben im Großen Studio tönte, perfekt in der Abmischung zur Freude jedes Mozartfans. Da jetzige Rektorat brachte erstmals die Zusammenarbeit mit dem Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium, wo jugendliche Spitzenkönner auf gepflegten Interpretationsstil eingeschworen wurden.
Die Violinen hauchten Windessäuseln zart aus, die Holzbläser
verströmten verführerisch warm ihre „Harmonie“ und die Trompeten
akzentuierten passend militärisch wie festlich. Dergleichen legt selbst
für erfahrene Theaterorchester die Messlatte hoch! Josef Wallnig
beflügelte die mitunter ironisch gedachte Dramatik stets zielstrebig
und energisch. Die Vokalisten, von denen Ludovik Kendis als Don Alfonso
den Philosophen wendig ausspielte, waren fast ein Kleeblatt von
Marionetten: Das wurde durch die abstrakte, an ein Schachbrett
gemahnende Spielfläche noch verstärkt. Das Bühnenbild ist eine Leihgabe
der Konzertdirektion Schlote, die bereits jetzt daran denkt, eventuell
2009 in dieser Konstellation „Figaros Hochzeit“ auf Tournee zu
schicken. Die Sänger im zweiten Akt noch zusätzlich auf die
Bühnenrückwand zu projizieren, war entbehrlich. Ebenso die Idee,
vermutlich von Regisseur Hermann Keckeis, den gelegentlich
überbordenden komödiantischen Schwung nicht zu zügeln. Ferrando und
„Helmut“ sind keine Hampelmänner der Comedia dell’arte! An der
Universität sind die Voraussetzungen ideal, entsprechend jugendliche
Liebespaare ins Rennen zu schicken. Wobei Marcos Liesenberg neben
lyrischem Schmelz auch kernig tenorales Heldentum nicht verleugnete,
während es Norbert Steidls Bariton von Haus aus leicht fiel, die Herzen
der Damen sinnlich zu betören. Fiordiligi und Dorabella wirkten zwar zu
Beginn noch etwas nervös, waren dann aber nach dem nervösem ersten
Einstieg einander durchaus ebenbürtig. Mozart hat der Fiordiligi mit
der berühmten „Felsenarie“, von Luciana Melamed beachtlich ausgelotet,
mehr an dankbar zu singendem „Futter“ zugebilligt. Manuela Dumfart
zeichnete aber auch die leichtlebigere Dorabella mit Tiefe: Sie will
aus Angst um ihr Seelenheil dem Geliebten ins Feld folgen. Last but not
least, ganz im Gegenteil: Regine Sturms Despina begeisterte sowohl in
Aktion wie stimmlich zu jeder Sekunde und wäre damit eigentlich vom
Fleck weg an jedes Opernhaus zu engagieren! Der Besuch lohnt sich:
Heute Montag (18.6.) und morgen Dienstag (19.6.) um 19.00 Uhr gibt’s
dazu nochmals die Gelegenheit! |